Führt elterliches Geld oder Intelligenz zum Bildungserfolg?

Immer wieder wird die Undurchlässigkeit sozialer Schichten beklagt, also die begrenzten Auf- und Abstiegsmöglichkeiten von Kindern in ihrem weiteren Leben, je nach dem, in welche Schicht sie geboren werden. Auch bei Wikipedia liest man unter dem diesbezüglichen Begriff „Soziale Mobilität“ einiges darüber, wie das Einkommen einen Einfluss auf die Auf- und Abstiegschancen hat. Aber der Begriff „Intelligenz“ findet sich im gesamten Beitrag nicht. Auch wenn das Thema Intelligenz ein ganz sensibles ist, wir kommen zu den falschen Schlüssen, wenn wir den Intelligenzgrad der Eltern als Erklärungsfaktor für zukünftigen Erfolg ihrer Kinder ausser Acht lassen. Ordentlich analysiert wäre der gesellschaftliche Auf- und Abstieg nur, wenn eine sog. Regressionsanalyse alle wesentlichen Faktoren, die auf den späteren Erfolg eines Kindes Einfluss haben, miteinander vergleicht. Und da wäre nicht überraschend, wenn der Faktor „Intelligenz der Eltern“ nicht am Ende einen viel stärkeren Einfluss hat auf die Entwicklung der Kinder als deren wirtschaftlicher Stand. Warum ist das relevant? Nun, Förderprogramme, die primär darauf abstellen, den Eltern mehr Geld zukommen zu lassen, könnten dann ins Leere gehen. Vielmehr wären verstärkte Massnahmen notwendig, um die Bildungschancen ausserhalb des Elternhauses zu steigern, z.B. einen verpflichtenden Kindergarten mit didaktischem frühkindlichen Bildungsprogramm ab dem 3. Lebensjahr. 

Natürlich ist es kein komplettes Entweder-Oder. Aber wenn sogenannte Kindergrundsicherungen diskutiert werden, sollte man sich genau überlegen, ob man das aufzuwendende Geld zur freien Verfügung an die Eltern überweisen sollte oder vielleicht mehr ausserfamiliäre Bildungsangebote finanzieren sollte. Mein starker Eindruck ist, dass Letzteres zu mehr Chancengleichheit führen würde. 

Denn wie sonst konnte der bulgarische Freund, der seinerzeit in wirtschaftlichen Verhältnissen in Sofia aufwuchs, die in unseren Breitengraden nicht dem Minimalstandard entsprechen würden, später eine so beeindruckende Karriere machen? Ggf. darum, weil sein Vater Mathematikprofessor war und ihn entsprechend fördern konnte. Das Beispiel ist natürlich kein Plädoyer, Kinderarmut zu ignorieren. Aber wir machen einen Fehler, wenn wir den vielleicht wichtigsten Faktor, die Intelligenz der Eltern als Erklärungsfaktor für späteren Erfolg der Kinder, aussen vorlassen bei der Definition der Massnahmen, mit denen wir Bildungserfolg für alle erreichen wollen.